Zuletzt aktualisiert am 27. September 2026 von Rene Franz
Titelbild: KI-generiert.
Für den erfolgreichen Anbau von Gurken im eigenen Garten ist eine entsprechende Fruchtfolge außerordentlich wichtig. Denn ohne Fruchtfolge riskierst du Bodenmüdigkeit und Pflanzenkrankheiten, die durch zu häufigem Anbau entstehen. Besser und ökologischer ist es daher, sich einmal eine grundlegende Fruchtfolge für den Gurkenanbau zu überlegen und dann durchzuziehen. In diesem Beitrag möchte ich dir vermitteln wie ich meine eigene Fruchtfolge nach Gurken geplant und umgesetzt habe. Du kannst die Planung dann einfach übernehmen oder für dich noch anpassen.
Mein Name ist Rene Franz, ich bin Dipl. Permakultur Designer und zertifizierter Holzer Permakultur-Praktiker. Ich beschäftige mich jetzt schon seit einigen Jahren mit Permakultur, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis und das sowohl im eigenen Garten wie auch auf Projekten und Höfen. Gerne unterstütze ich dich dabei dir deinen eigenen Selbstversorgergarten zu schaffen. Melde dich bei Fragen gerne einfach in den Kommentaren unter dem Beitrag!
Inhaltsverzeichnis
Anbauplan für die Fruchtfolge nach Gurken
Da dich das vermutlich am meisten interessiert will ich direkt am Anfang darauf eingehen wie der Anbauplan für die Fruchtfolge nach Gurken konkret aussieht. Ich gehe dabei immer in zwei Schritten vor, damit die Fruchtfolge am Ende auch passt. Ich mache zunächst immer eine Fruchtfolge nach Pflanzenfamilien, denn diese Art der Fruchtfolge ist für die Vorsorge vor Pflanzenkrankheiten wichtiger als die klassische Einteilung in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer.12
Fruchtfolge nach Gurken: Pflanzenfamilien
Bei der Fruchtfolge nach Pflanzenfamilien geht es im Grunde genommen darum eine Abwechslung bei den Pflanzenfamilien im Anbau haben. Als Faustformel gilt, dass jede Pflanzenfamilie nur alle 4 Jahre auf dem Beet angebaut werden sollte.3
- Jahr: Gurken: Kürbisgewächse
- Jahr: Möhren oder Pastinaken: Doldenblütler
- Jahr: Stangenbohnen oder Zuckererbsen: Hülsenfrüchtler
- Jahr: Tomaten: Nachtschattengewächse
Fruchtfolge nach Gurken: Nährstoffbedarf
Neben der oben beschriebenen Abfolge der Pflanzenfamilien spielt der Nährstoffbedarf selbstverständlich auch eine Rolle. Hier kommt dann die klassische Einteilung von Starkzehrer, Mittelzehrern und Schwachzehrern ins Spiel.45 Gurken gehören zu den Starkzehrern, also sollte das Beet auch entsprechend auf sie vorbereitet sein. So bin ich bei meiner Planung für die Fruchtfolge nach Nährstoffbedarf vorgegangen:
- Jahr: Gurken (Starkzehrer)
- Wichtig: Vor dem ersten Anbau sollte der Boden entsprechend vorbereitet werden. Ich empfehle immer eine Bodenprobe beim Laborservice (z. B. Raiffeisen Laborservice) und eine entsprechend angepasste Düngung mit den von dort erhaltenen Düngeempfehlungen.6
- Jahr: Möhren oder Pastinaken (Mittelzehrer)
- Da die Starkzehrer im ersten Jahr schon einen Teil der Nährstoffe verbraucht haben kommen jetzt Mittelstarkzehrer auf die Fläche. Diese sind deshalb sinnvoll weil sie erstens nicht so einen hohen Bedarf an Nährstoffen haben und zweitens auch nicht so viele Nährstoffe vertragen. Für manche Pflanzen kann es nämlich auch ein zuviel an Nährstoffen sein!
- Jahr: Stangenbohnen oder Zuckererbsen (Schwachzehrer)
- Diese Pflanzen haben die Eigenschaft Stickstoff zu fixieren. Sie können also den in der Luft vorhandenen Stickstoff durch eine Symbiose mit Bakterien in Ammoniak umwandeln, der dann der Pflanze direkt zur Verfügung gestellt wird. Deswegen sind sie nicht so sehr auf Düngung und Nährstoffe von außen angewiesen. Wichtig: Nach der Ernte das Grün und die Stängel gehäckselt wieder ins Beet geben, so bleiben die Nährstoffe an Ort und Stelle.
- Jahr: Tomaten (Starkzehrer)
- Die Tomaten haben nun wieder eine gut gedüngte Fläche zumindest in Punkto Stickstoff. Was man aber trotzdem noch machen sollte ist ein Boden-Schnelltest mit den wichtigsten Hauptnährstoffen (gibts im Handel) um eine grobe Einschätzung der verbleibenden Nährstoffe zu bekommen. Gegebenenfalls sollte dann nachgedüngt werden und zwar am besten mit Kompost aus dem eigenen Garten. Der pH-Wert kann bei der Gelegenheit auch gleich mitbestimmt und gegebenenfalls angepasst werden. Bei sandigen oder schluffigen Böden lohnt sich auch ein Urgesteinsmehl mit Tonmineralen, was die Humusbildung unterstützt.

Im folgenden Jahr ließen sich theoretisch auch wieder Gurken anbauen, aber nach dem Anbau von Starkzehrern sollte man eigentlich nicht direkt noch einmal Starkzehrer anbauen. Wenn die Nährstoffe nach dem Tomatenanbau laut Bodentest aber noch ausreichend sind, kann man das bedenkenlos machen. Wenn die Nährstoffe zu niedrig sind, gibt es zwei Möglichkeiten mit dem Dilemma umzugehen
- Man kann die Fruchtfolge um eine Brache erweitern. Im 5. Jahr würde also auf dem Beet nichts angebaut werden außer einer Gründüngung. Hier eignen sich z. B. Spinat, wegen der wachstumsfördernden Saponine, Gelbsenf aufgrund der Wirkung auf die Bodenstruktur oder auch Phacelia (es gibt noch viele weitere).
- Die Alternative wäre eine erneute Düngung mit Kompost, um Stickstoff und ggf. andere Nährstoffe aufzufüllen.
Fruchtfolge nach Gurken mit Mischkultur kombinieren
Neben der Abfolge der Fruchtfolge lässt sich die ganze Situation auch noch etwas weiter verbessern, nämlich mit Mischkulturen. Mischkulturen können noch mehr als nur Fruchtfolgen dazu beitragen, dass Pflanzenkrankheiten vermieden und damit auch Erträge gesteigert werden.
Mischkulturen alleine sind aber kein Garant für eine Freiheit von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen; sie helfen jedoch dabei sie zu vermeiden. Bei den Pflanzabständen solltest du darauf achten, immer den Abstand der jeweils dominanteren Pflanze anzusetzen. Die Pflanze die also vom Wuchs her größer und ausladender ist.
Diese Mischkultur Partner können gut mit der Fruchtfolge nach Gurken kombiniert werden:
- 1. Jahr: Gurken (Kürbisgewächse) mit Salaten (Korbblütler) in Mischkultur
- Diese Mischkultur funktioniert nicht so gut mit festen Kopfsalaten oder Eisbergsalaten, sondern nur mit Blattsalaten. Achtung: Asia-Salate gehören zu den Kreuzblütlern, können aber in unserer Fruchtfolge trotzdem aufs Beet, da wir hier keine Kohlarten anbauen. Da Gurken stark rankend sind, solltest du das Grün immer mal wieder “einhegen”, also dafür sorgen, dass es nicht zu stark auf die Wege herauswächst. Oder du besorgst dir direkt Klettergurken und lässt sie an einer Rankhilfe emporranken. So mache ich es auch immer auf meinem Balkon.
- 2. Jahr: Möhren oder Pastinaken (Doldenblütler) mit Zwiebeln in Mischkultur
- Das ist der Klassiker unter den Mischkulturen. Möhren und Zwiebeln sollen gegenseitig die Möhren- und Zwiebelfliege abhalten.
- 3. Jahr: Stangenbohnen oder Zuckererbsen mit Bohnenkraut in Mischkultur
- Bohnenkraut passt zu Bohnen. Dieser alte Spruch der schon in der Küche immer galt, gilt auch auf dem Beet in der Mischkultur. Sommerbohnenkraut (Satureja hortensis) ist einjährig und deshalb auch gut zu entfernen.
- 4. Jahr: Tomaten und Basilikum in Mischkultur
- Ein Klassiker den ich vor Jahren erfolgreich ausprobiert habe. Beide Pflanzen passen sehr gut zusammen und Basilikum klaut wenig Licht sobald die Tomaten hoch genug gewachsen sind.
Sinnvolle Vor- und Nachkulturen für die Fruchtfolge nach Gurken
Als weiteren sinnvollen Schritt um die Fruchtfolge nach Gurken zu ergänzen, können wir nun auch noch Vor- und Nachkulturen hinzufügen. Diese bringen nochmal mehr Vielfalt aufs Beet und sorgen dazu in manchen Fällen noch für weitere Erträge, Mulchmaterial, Bodenlockerung und Erosionsschutz. Im Grunde genommen also eine sehr sinnvolle Sache, wenn man sich damit beschäftigen möchte. Ich würde es aber für etwas erfahrenere Gärtner empfehlen, denn für Anfänger ist schon die Kombination von Fruchtfolgen mit Mischkulturen recht aufwändig in Theorie und Anwendung.
- Nachkultur: Spinat
- Diese Nachkultur eignet sich besonders gegen Ende August / Anfang September wenn du noch eine Ernte erzielen möchtest. Spinat ist ja bekanntlich essbar und sehr gesund. Spinat wächst außerdem schnell und bedeckt den Boden, sodass das Beet über den Winter vor Erosion durch Wind und Wetter geschützt ist.
- Spinat bringt außerdem Saponine in den Boden. Das sind Stoffe die das Wachstum anderer Pflanzen steigern können.
- Vorkultur: Spinat
- Spinat lässt sich auch wirklich gut im Frühjahr als Vorkultur einsetzen. Die oben genannten positiven Aspekte bleiben dabei natürlich erhalten. Spinat kannst du in der Regel ab Anfang März aussäen.
- Nachkultur: Weißer Senf (Sinapis alba)
- Weißer Senf ist der Klassiker gerade aus dem Mischkultur-Bereich, den Gertrud Franck immer verwendet hat. Senf wird verschiedene Wirkungen zugeschrieben, so soll er durch die Senfölglykoside gezielt Bodenschädlinge bekämpfen, die dort überdauern. Auch Senf friert von selbst ab, sodass hier kaum zusätzliche Arbeit anfällt.
- Nachkultur: Winterroggen
- Diese Pflanze hat den Vorteil, dass sie noch sehr spät, bis Ende September als Gründüngung eingesät werden kann. Nachteil ist, dass sie extrem frosthart ist und deshalb selbst gehackt werden muss. Wenn dir aber eine dauerhaft lebendige Gründüngung über den Winter richtig ist, kannst du Winterrogen gut einsetzen.
- Er gehört zu den Süßgräsern, die, mit Ausnahme von Mais, fast nie im Gemüsegarten angebaut werden.
Es gibt natürlich noch viele weitere Gründüngungspflanzen neben den hier genannten. Wenn du dich schon besser auskennst kannst du deine eigenen Gründüngungspflanzen selbstverständlich auch verwenden.
Fazit
In diesem Beitrag habe ich dir vermittelt wie eine gute Fruchtfolge nach Gurken aussieht und wie sich die Fruchtfolge nach Pflanzenfamilien und nach Nährstoffbedarf voneinander unterscheidet. Außerdem bin ich auf das Thema Mischkulturen eingegangen und habe dir aufgezeigt, welche Mischkulturen zu den Fruchtfolgen passen. Zum Schluss habe ich dir erklärt, wie die Fruchtfolge noch durch sinnvolle Vor- und Nachkulturen sowie Gründüngungspflanzen erweitert werden kann. Mit dieser Anleitung hast du nun alle Infos an der Hand, um deine Fruchtfolge nach Gurken erfolgreich zu Gestalten.
Einzelnachweise
- Auf gute Nachbarschaft. Mischkultur im Garten. Gemüse – Kräuter – Zierpflanzen. Von Natalie Faßmann und Margret Schneevoigt, pala Verlag. Abschnitte: “Fruchtfolgen und Anbaupausen” und “Es liegt in der Familie” ↩︎
- Mischkultur im Hobbygarten von Schwester Christa Weinrich. Verlag Eugen Ulmer. Abschnitt: “Fruchtfolge und Mischkultur”. ↩︎
- Auf gute Nachbarschaft. Mischkultur im Garten. Gemüse – Kräuter – Zierpflanzen. Von Natalie Faßmann und Margret Schneevoigt, pala Verlag. Abschnitte “Fruchtfolge und Anbaupausen”, “Selbstunverträglichkeit” und Tabelle “Anbaupausen für Familienmitglieder” ↩︎
- Auf gute Nachbarschaft. Mischkultur im Garten. Gemüse – Kräuter – Zierpflanzen. Von Natalie Faßmann und Margret Schneevoigt, pala Verlag. Abschnitte “Nährstoffhunger”, Tabelle: “Nährstoffbedarf wichtiger Gemüse und Kräuter” ↩︎
- Schwester Christas Mischkultur. Biologisch gärtnern mit dem gesammelten Wissen der Klosterfrauen. Von Schwester Christa Weinrich und Jutta Langheineken. Verlag Eugen Ulmer, Seite 117 Abschnitt “Gesunder Boden durch Fruchtwechsel”. ↩︎
- Das Indianerbeet. Die Drei Schwestern im Garten. Von Natalie Faßmann, Pala Verlag. Abschnitte “Stickstoffmenge berechnen”, “Düngen” und “Bodenuntersuchungslabore”. ↩︎
